Vor genau einem Jahr habe ich den JBL Flip 2 getestet. Dabei konnte der Klang nicht so recht überzeugen: Die Bässe waren flach und kraftlos, die Höhen klangen blechern und generell hatte der Flip 2 für seinen Preis wenige Features zu bieten. Nun hat JBL die dritte Generation des portablen Bluetooth Lautsprechers vorgestellt und bietet diese im deutschen Online-Shop an. Neben einem spritzwassergeschützten Gehäuse verfügt der Flip 3 nun über eine Stereo-Funktion für das gleichzeitige Koppeln mehrerer JBL-Lautsprecher sowie einer höheren Akkulaufzeit. Preislich liegt der Flip 3 bei 129 Euro, wobei sich der Preis in den nächsten Monaten wohl unter die magische 100-Euro-Grenze bewegen wird und der Speaker damit mit Modellen wie dem Bose SoundLink Color konkurriert. Ich wollte genauer wissen, wie sich der Bluetooth-Lautsprecher klanglich im Vergleich zum etwas größeren Charge 2+ und der restlichen Konkurrenz schlägt. So habe ich mir die Box im JBL-Store bestellt und über mehrere Tage hinweg getestet.

Ersteindruck

Das Design des JBL Flip 3 hat mit dem des Vorgängers nur wenig gemeinsam: An der Seite vibrieren nun wie beim JBL Charge 2+ und JBL Xtreme die Passivmembranen effektvoll zur Musik und machen die Musik so „sichtbar“. Auch wenn der JBL Flip 3 so zum Hingucker wird, so hätte ich es doch bevorzugt, wenn JBL ein dünnes Schutzgitter verbaut hätte.

Die Metallkappen schützen die Membrane zwar vor Kratzern, doch die Gummierung am Rand stellt ein gewisses Risiko dar und könnte beim Transport mit spitzen Gegenständen möglicherweise durchstochen werden. Das Vakuum wäre hinüber und die darauf abgestimmten Treiber nutzlos. Der Lautsprecher wäre nicht mehr zu gebrauchen. In der Praxis kann ich allerdings trotz häufigem Transports bisher noch von keinen Schäden berichten und auch mein JBL Charge 2 erlitt über mehrere Monate hinweg keinerlei Beschädigungen. Nichtsdestotrotz wäre eine dünne Transporttasche wie bei den beiden Vorgängern nicht verkehrt gewesen.

Auch sonst hat sich beim Design so einiges verändert: das Gehäuse ist nun genau wie beim JBL Xtreme und UE Megaboom mit einem feinmaschigen Stoff ummantelt, der härtere Stöße abfangen und Kratzer vermeiden soll. In der Praxis hat das bisher vorbildlich funktioniert und es sammelt sich auch kein Staub an wie es etwa beim Charge 2+ der Fall war. Zusätzlich sind die Anschlüsse an der Rückseite nun mit einer Gummikappe vor äußeren Einflüssen wie Spritzwasser und Schmutz geschützt. Laut Hersteller kann man den Flip 3 unter fließendem Wasser abwaschen, nur komplett im Wasser eintauchen darf man ihn nicht. Eine Schutzklasse wird nicht angegeben.

Der JBL Flip 3 ist makellos verarbeitet und macht mit dem Hartgummi einen robusten Eindruck. Das Design wirkt allerdings ein wenig verspielt und weniger hochwertig wie beim JBL Charge 2+, kein Vergleich zum edlen SoundLink Mini 2 von Bose. Das liegt zum einen an den eingravierten Schriftzügen an der Seite (Modellnummer, Herkunftsort etc.) sowie dem integrierten Trageband. Ich selbst verwende das Trageband zwar nur äußerst selten, doch damit könnte man den Flip 3 bei Belieben an Gegenständen wie Türen, Pfosten oder Bäumen befestigen und auf Kopfhöhe Musik hören. Alternativ lässt sich das Band entfernen.

Im Gegensatz zum JBL Xtreme und JBL Charge 2+ verfügt der Speaker über keinen Standfuß, sondern ist mit einem Gewicht an der Unterseite versehen. Damit rollt er immer wieder automatisch in die richtige Position. Das funktioniert auch auf unebenen Untergründen wie einem Sofa oder im Gras problemlos. Wie der Name „Flip“ bereits suggeriert, lässt sich der Flip 3 sowohl waagrecht als auch senkrecht aufstellen. Für das senkrechte Aufstellen sind an beiden Seiten drei kleine Gumminoppen angebracht, damit die Luft auch weiterhin frei zirkulieren kann.

Im Lieferumfang sind außer dem Bluetooth-Lautsprecher ein Micro-USB-Ladekabel sowie eine Kurzanleitung enthalten. Schön wäre noch eine Ladeschale wie beim Bose SoundLink Mini 2 gewesen, sodass ich nicht immer erst das Kabel hinter der Kommode herauskamen muss. Der JBL Flip 3 ist in den Farben schwarz, grau, rot, pink, blau, grün, orange und gelb verfügbar.

Klangqualität

Der erste Klangeindruck ist durchweg positiv. Die kleine Dose klingt doch erwachsener wie erwartet. Kein Vergleich zum schwachen, blechernen Klang des JBL Flip 2. Der Klang erinnert stark an den des JBL Charge 2+, allerdings mit einem kleineren Bassfundament.

Die Bässe sind für die kleine Größe durchaus gut, der Charge 2+ spielt mit dem größeren Klangkörper allerdings noch eine Spur tiefer und voluminöser. Auch mit dem Envaya Mini kann es der Flip 3 nicht aufnehmen, trotz der ähnlichen Größe sind die Bässe schwächer und ein Stereo-Effekt ist kaum wahrzunehmen. Positiv ist, dass der Speaker die Bässe bei ansteigender Lautstärke nur allmählich zurückregelt und nicht wie der Sony X33 bereits ab halber Lautstärke die Bässe abrupt abflachen lässt. Auch bei maximaler Lautstärke ist der Klang verzerrungsfrei und unkomprimiert, hat allerdings nur noch wenig Bassfundament – kein Vergleich zum JBL Charge 2+, der selbst bei maximaler Lautstärke noch kräftige Bässe produziert. Die Maximallautstärke liegt auf ähnlichem Niveau wie die des Charge 2+.

Der JBL Flip 3 hat keinen allzu gerichteten Klang, was den beiden seitlichen Öffnungen zu verdanken ist. Er klingt auch von seitlicher Hörposition noch klar und angenehm, nur von der Hinterseite wirkt der Klang etwas trüber. Musik scheint mit einem flachen Winkel nach oben hin auszutreten, was ich gelungen finde, da er sich in vielen Alltagssituationen unterhalb der Kopfhöhe befindet, sei es auf dem Küchentisch oder der Kommode.

Das Grundrauschen beschränkt sich beim Flip 3 auf ein Minimum. Im Gegensatz zum JBL Charge 2+ muss man sich den Speaker schon direkt ans Ohr halten, um ein Grundrauschen zu erkennen. Ich habe im Test auch einige Hörbücher abgespielt und empfand das sehr leise Grundrauschen nicht als störend und ich vermute auch stark, dass die meisten Nutzer einen ähnlichen Eindruck haben werden.

Im Gegensatz zu den Vorgängern verfügt der Flip 3 über ein Stereo-Pairing Funktion. Schließt man also mehrere JBL Flip 3 zusammen, so kann man einen Stereo-Effekt schaffen und damit sogar ein Paar Computerlautsprecher ersetzen. Auch eine kleine Party ließe sich so noch besser beschallen. Um mehrere Lautsprecher zusammen zu schließen, hält man die „JBL-Connect-Taste“ gedrückt und wartet auf den Bestätigungston. Im Test konnte ich nur die Verbindung mit dem großen JBL Xtreme testen, wobei es immer wieder zu kurzen Aussetzern und unterschiedlich eingestellter Lautstärke kam. Das wird JBL hoffentlich mit einem zukünftigen Update regeln.

Insgesamt ist der Flip 3 seiner preislichen Konkurrenz deutlich voraus und klingt trotz des ähnlichen Designs deutlich reifer wie die UE-Booms von Logitech, er setzt allerdings keine neuen klanglichen Maßstäbe. Für niedrige Lautstärken würde ich den kürzlich getesteten Sony X33 bevorzugen. Für ein gelunges Rundum-Paket würde ich weiterhin der Charge 2+ mein Favorit.

Pairing

Wie bei den meisten Bluetooth-Lautsprechern funktionierte auch beim Flip 3 das anfängliche Koppeln ohne große Schwierigkeiten. Man schaltet den Lautsprecher ein, drückt die Bluetooth-Taste und wählt den Speaker am Smartphone aus – schon steht die Verbindung.

Leider verbindet sich der Flip 3 nur mit dem zuletzt verbundenen Zuspieler. Hat man den Speaker also zuerst mit dem Laptop verbunden und koppelt ihn danach mit dem Smartphone, so kann der Lautsprecher beim nächsten Einschalten nur automatisch mit dem Smartphone verbunden werden. Das ist ein wenig schade und könnte besser gelöst sein. Der Bose SoundLink Mini 2 sucht beispielsweise nach dem nächsten Musikzuspieler, wenn ein Gerät nicht gefunden wird und verbindet sich folglich mit diesem.

Auch schade ist, dass keine Multipairing-Funktion mit an Bord ist. Das bieten mittlerweile selbst deutlich günstigere Lautsprecher. So kann man seine Playliste bei sozialen Anlässen nur umständlich mit den Freunden teilen. Es ist jedes Mal ein lästiges Entkoppeln und Wiederherstellen der Verbindung nötig. Auch wenn man den Flip 3 gerne mit mehreren Musikzuspielern wie Laptop, Tablet und Smartphone verbinden möchte, muss hier immer die Verbindung forciert werden.

Positiv ist hingegen die JBL Connect Funktion, über die mehrere JBL-Lautsprecher zu einer Art Stereo-Anlage zusammengeschlossen werden können. NFC, AptX oder ähnliche fortschrittliche Technologien kommen nicht zum Einsatz. Ob das auch in der Praxis genutzt wird, muss jeder Nutzer selbst entscheiden.

Bedienung

Direkt nach dem Einschalten ertönt genau wie beim JBL Xtreme ein etwas außergewöhnlicher Gitarrenklang. Ich bin zwar kein großer Fan von diesen spielerischen Signaltönen, doch im Vergleich zu den penetrant lauten Piepstönen des Vorgängers ist das ein Ohrenschmaus. Mir persönlich hätte etwas Schlichtes wie bei den SoundLink Modellen von Bose gereicht.

Die Bedienoberfläche des JBL Flip 3 ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Die eine Hälfte der Tasten ist auf direkt auf dem Stoff angebracht, wo man sie nur schwer sieht, besonders in dunklen Lichtverhältnissen. Ich hätte hier eine Bedienoberfläche wie beim JBL Charge 2+ bevorzugt, doch es scheint, als wolle JBL noch gewisse Design-Elemente des alten Flip 2 beibehalten.

Es sind alle wichtigen Tasten vorhanden: Lauter/leiser, Ein-/Ausschalten,  Bluetooth-Modus aktiviern, Freisprechfunktion und die JBL-Connect-Taste. Tasten für die Steuerung der Musik gibt es nicht, auch über Tastenkombinationen lässt sich hier nichts machen. Beim JBL Charge 2+ konnte man hier einfach mit einmaligen Drücken der Freisprechtaste die Musik pausieren und mit zweimaligen Drücken zum nächsten Lied springen. Schade, doch irgendwo müssen beim günstigeren Preis wohl Abstriche gemacht werden.

Gut gefällt mir die schlichte Akkuanzeige, die mit fünf weißen Lichtern den verbleibenden Akkustand anzeigt. Wird der Lautsprecher geladen, so blinkt die linke Leuchte dezent vor sich hin. Bei geringem Akkustand leuchtet dies rot.

Unter der Gummikappe befinden sich eine Micro-USB-Buchse zum Laden sowie ein AUX-Eingang für das Verbinden per Klinkenkabel. Leider gibt es keinen USB-Anschluss zum Laden externer Geräte, wie es etwa der Charge 2+ oder auch der JBL Xtreme bieten. Hier muss dann wohl die herkömmliche Powerbank herhalten.

Beim JBL Flip 2 hatte ich die separat eingestellte Lautstärke bemängelt. Das hat JBL nun behoben. Regelt man die Lautstärke am Lautsprecher nach oben, so bewegt sich auch der Lautstärkepegel am Smartphone an. Es gibt also keine unterschiedlichen Einstellungen der Lautstärke und damit auch keine unterschiedlichen Klangeindrücke mehr. Sehr gut. Bei der Verbindung mit meinem iPhone stellte ich im Test fest, dass sich die Lautstärke auf den unteren Stufen nur etwas grob einstellen lässt. Das ist nicht ideal wenn man gerne auf geringen Lautstärken Musik hört.

Akkulaufzeit/Reichweite

Laut Hersteller soll die 3000mA Batterie für rund 10 Stunden Spielzeit sorgen. Im Test kam ich allerdings nur auf 8 Stunden bei einem Drittel der maximalen Lautstärke. Das ist ein akzeptabler Wert und deutlich besser als beim alten JBL Flip 2, neue Maßstäbe setzt JBL damit allerdings nicht.

Der Flip 3 kann mit dem USB-Adapter über die Steckdose aufgeladen werden. Alternativ lässt sich der Bluetooth-Lautsprecher über den Laptop laden, wobei der Ladevorgang hier aufgrund der verminderten Ausgangsspannung von 0.5 Ampere deutlich länger als 3,5 Stunden dauert.

Die Bluetooth-Reichweite war im Test ähnlich wie beim JBL Charge 2+ sehr gut.  Erst nach 25 Metern auf freier Strecke brach die Verbindung ab. Das ist durchaus in Ordnung, wenn es auch keinen Spitzenwert darstellt. Auch Ruckler oder Störsignale waren nicht zu hören.

Unser Fazit

Der JBL Flip 3 ist eine ganz klare Verbesserung gegenüber dem Vorgänger. Er klingt für seine Größe und den geforderten Preis sehr erwachsen und besser als die meisten anderen Lautsprecher in dieser Größen- und Preisklasse. Er spielt laut und spielt auch bei maximaler Lautstärke komplett verzerrungsfrei und unkompromiert, allerdings sind die Bässe hier ein wenig dünn. Neue klangliche Maßstäbe setzt er nicht und so kann er weder mit dem Denon Envaya Mini (besonders bei niedriger Lautstärke) noch mit dem JBL Charge 2+ oder auch dem Bose SoundLink Mini 2 mithalten, wenn auch dessen überbetonte Basswiedergabe nicht jedermanns Sache ist.

Die Bedienoberfläche ist ein wenig gewöhnungsbedürftig und die Titelsteuerung direkt am Lautsprecher wäre noch schön gewesen. Auch eine Schutzgitter bei den seitlichen Membranen oder eine Schutzttasche wie beim Vorgängermodell vermisst man. Dafür erhält man nun ein spritzwassergeschütztes, stylisches Gehäuse mit einer robusten Stoffummantelung, die auch kleinere Stürze oder den Kontakt mit Schmutz problemlos überstehen sollte.

Bei der Ausstattung hätte ich mir noch ein wenig mehr Funktionen wie Multi-Pairing, NFC, aptX oder auch eine USB-Ladebuchse gewünscht. Wenigstens ist nun die Lautstärke synchronisiert und per „JBL-Connect“ können zwei Lautsprecher zusammengeschlossen werden, sodass man sogar eine kleine Stereo-Anlage ersetzten könnte.

Der Flip 3 kostet derzeit rund 129 Euro, ich schätze allerdings, dass er in wenigen Monaten bereits deutlich unter 100 Euro erhältlich sein wird, und dafür ist es der Flip 3 allemal wert.