Genau zwei Jahre ist es her, seit Logitech die UE Boom, den ersten tragbaren Bluetooth-Lautsprecher in Flaschenform, vorstellte. Im Test konnte mich der Klang nicht wirklich überzeugen, dazu fehlte das kräftige Bassfundament und der Preis war für das Gebotene einfach zu hoch. Das konnte auch der 360-Grad-Sound und die Robustheit des Gehäuses nicht wettmachen. Insgesamt erinnerte das Ganze eher an ein altes Küchenradio. Nun hat Logitech wie viele andere Hersteller eine XXL-Variante, die UE Megaboom, auf den Markt gebracht. Diese soll nicht nur “mitreißende Bässe” und “hohe, volle Lautstärken” bieten, sondern auch ganze 20 Stunden Musik abspielen. Da ich in den vergangenen Monaten eher bescheidene Erfahrungen mit Logitech Produkten gemacht habe, war ich sehr gespannt herauszufinden, ob die neue Box nun fetzigen Klang bieten würde. So habe ich mir die UE Megaboom nach Hause liefern lassen und im direkten Vergleich mit anderen Modellen Probe gehört.

Ersteindruck

Beim Design hat sich bis auf die Größe praktisch nichts verändert. Die Box hat immer noch die Proportionen einer Halb-Liter-Bierdose und ist mit feinmaschigem, wasserabweisendem Stoff ummantelt. Im Prinzip handelt es sich um eine überdimensionierte UE Boom. Ich würde grob schätzen, dass sich das Gehäusevolumen verdoppelt hat, wobei das Gewicht immer noch unter 1 Kg liegt und damit deutlich leichter als Konkurrenzmodelle wie der SoundLink III oder die Beats Pill XL ausfällt. Die Megaboom ragt damit schon fast an die Maße des JBL Charge 2 heran.

Die UE Megabomm will sich nicht in die Reihe der schick designten Bluetooth-Lautsprecher gesellen, sondern vielmehr mit ihrer Outdoor-Tauglichkeit überzeugen. Die Box wirkt mit ihrer gummierten Oberfläche sehr robust und man hat das Gefühl, als könne der Lautsprecher auch härtere Stöße oder sogar den Fall auf Betonboden ohne größere Schäden überstehen. Ausprobieren möchte ich das allerdings nicht.

Im Gegensatz zu den meisten anderen tragbaren Lautsprechern muss man sich keine Sorgen machen, dass etwas verkratzt oder das Lautsprechergitter einbeult. Selbst die Anschlüsse sind mit Gummikappen bedeckt, so kann man die Box auch mal mit nassen Händen anfassen oder neben dem Wasser aufstellen. Laut Logitech ist der Speaker nach der Schutzart IPX7 wasserdicht, ich habe die UE Megaboom deshalb für ca. 1 Minute unter den Wasserhahn gehalten und die Musik lief danach ohne Probleme weiter. Sehr gut!

Im Lieferumfang befinden sich neben dem Lautsprecher ein Netzstecker sowie ein Micro-USB-Kabel bei. Das ist erfreulich, denn so muss ich nicht immer das klobige Netzteil mit mir herumschleppen, besonders wenn man die Box einmal auf eine Reise mitnehmen will, kann man sie bequem am Laptop laden.

Klangqualität

Die Hoffnung war groß, das Logitech einen Bluetooth-Lautsprecher mit wirklich tollem Klang herausbringen würde und die Schwächen der alten Lautsprecher aufgearbeitet hat. Doch bereits nach einigen Sekunden Probe hören macht sich Ernüchterung breit und man merkt, dass Logitech hier keine neue klanglichen Maßstäbe setzt. Der Klang ist zwar nicht schlecht, doch für einen Preis von über 300 Euro hätte ich deutlich mehr erwartet.

Zuerst einmal lassen die Bässe zu wünschen übrig. Anstatt tiefer, räumlicher Bässe hört man einen betonten Oberbass, der hohl  klingt und an das Klopfen an einen alten Holzschrank erinnert. Das ist schon ein wenig schwach, wenn man bedenkt, welch kräftigen Bässe Bose bereits vor mehr als zwei Jahren in den etwa halb so großen SoundLink Mini gepackt hat. Besonders Kick- und Housebässe klingen wenig natürlich –kein Vergleich zum ähnlich teuren Beoplay A2, der untenrum erstaunlich druckvoll und voluminös klingt und bis 50Hz hinunter spielt.

Problematisch ist auch die klangliche Abstimmung bei verschiedenen Lautstärken, so fehlt bei niedrigen Lautstärken der nötige Tiefgang und der Speaker flüstert ohne druckvolle Bässe nur noch vor sich hin. Alle, die sich gerne mit leiser Hintergrundmusik berieseln lassen, werden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Ab ca. 50% der maximalen Lautstärke wird es mit den Bässen dann etwas besser und bleiben bis 90% der Lautstärke auf einem guten Niveau. Ab den obersten zwei Stufen ist der Klang dann allerdings nicht mehr zu gebrauchen, die Musik verkommt zu Mischmasch. Generell wirkt die UE Megaboom einfach ein wenig zu angestrengt, um wirklich begeistern zu können, auch wenn die Höhen schön klar sind und so gut wie nicht verzerren. Da spielen Lautsprecher wie der Denon Envaya oder SoundLink III viel gediegener daher.

Laut spielen kann die UE Megaboom ja, die Lautstärke liegt auf etwa gleichem Niveau wie beim Denon Envaya oder SoundLink III, aber was bringt das schon, wenn der Klang auf den obersten Stufe ungenießbar wird? Für’s Krach machen auf Parties oder kleineren Veranstaltungen ist das akzeptabel, doch für den Preis von 300 Euro erhält man deutlich besser klingendere Lautsprecher.

Auch beim 360-Grad-Klang kann ich mir das Meckern nicht verkneifen. So ist die Klangverfärbung bei verschiedenen Hörwinkeln zwar um ein Vielfaches geringer wie bei den meisten anderen großen Bluetooth-Lautsprechern, die von der Hinterseite nur noch dumpf klingen, doch so ganz echten 360-Grad-Klang liefert die Megaboom nicht. Hält man das Teil einmal direkt vor sich und dreht die Box langsam um die horizontale Achse, so stellt man doch einen gewissen Unterschied beim Klang fest. Sobald die beiden Chassis direkt auf einen gerichtet sind, wirkt der Klang deutlich klarer und ausgeglichener. Da verzichte ich doch lieber auf Rundumklang.

© Gizmodo.de

Sehr löblich finde ich die App-Anbindung, mit der man Zugriff auf einen Equalizer hat. Wirklich präzise lässt sich der Klang damit allerdings nicht einstellen, hierfür ist das Frequenzband einfach zu beschränkt (es geht nur von 150Hz bis 8kHz hinauf). Die Voreinstellung “Bassboost” hilft nicht wirklich dabei, den Klang aufzupolieren, sondern lässt ihn eher noch dumpfer ertönen.

Bedienung

Die Bedienoberfläche ist wie bei bei der kleinen UE Boom sehr einfach gehalten und auf das Wesentliche reduziert. Da gibt es den Anschaltknopf an der Oberseite, eine Pairing-Taste sowie die zwei Lautstärketasten an der Seite. Das war’s auch schon. Tasten zur Titelsteuerung wie “vor/zurück”, “stumm” oder Ähnliches sucht man vergeblich. Ich finde diesen minimalistischen Ansatz gut, da ich für weitere Befehle ja mein Smartphone/Laptop habe. Die Lautstärketasten lassen sich allerdings ein wenig schwer bedienen und es ist anfangs nicht leicht, den richtigen Druckpunkt zu finden.

Sehr gelungen ist die bisher einzigartige “Smart-Bluetooth” Funktion, über die man den Lautsprecher aus der Ferne an- und abschalten kann. Dafür wird lediglich die “Megaboom App” benötigt. Im Test empfand ich es als sehr praktisch, die Box vom Nebenzimmer ein- und ausschalten zu können, ohne erst zum Speaker hinlaufen zu müssen. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch andere Hersteller in Zukunft auf den Zug aufspringen und das Anschalten aus der Ferne ermöglichen werden.

Wie schon bei der UE Boom, meldet sich auch die große Version beim Einschalten und erfolgreich hergestellter Verbindung mit einem nervigen Trommeln. Glücklicherweise lässt sich das per App abschalten. Gut gefällt mir, dass die Lautstärke mit dem jeweiligen Zuspieler synchronisiert wird, sodass ich die Lautstärke nicht separat am Lautsprecher einstellen muss und Gefahr laufe, zwei unterschiedliche Einstellungen zu haben. Das sollte mittlerweile auch zum Standard gehören. Dabei ist die Lautstärke in 32 Stufen unterteilt, genug um präzise feinjustieren zu können.

An der Unterseite des Gehäuses sind unter einer Gummikappe die Anschlüsse verbaut. Das hilft gegen Schäden durch äußere Einflüsse wie Wasser oder Sand, macht die Bedienung aber auch umständlicher. Denn so muss ich erst eine Schraube aufdrehen und die Gummikappe herauslösen, um an die Anschlüsse zu gelangen. Das Schraubengewinde dient hierbei laut Hersteller auch für das Aufsetzen auf ein Kamerastativ. Wie sinnvoll das ist, muss jeder Nutzer letztendlich selbst entscheiden, ich vermute allerdings stark, dass nur wenige Anwender ihre Megaboom auf einem Stativ als eine Art Lautsprecherständer befestigen werden.

Die Signalleuchten sind bei der Megaboom schön dezent gehalten. Bei eingeschaltetem Lautsprecher glüht die Leuchte am Einschaltknopf in weiß vor sich hin, sobald sich der Akku dem Ende neigt, beginnt die Leuchte in rot zu glimmen.

Pairing

Wie bei den meisten zeitgemäßen Bluetooth Lautsprechern geht das Koppeln von Lautsprecher problemlos von der Hand. Lautsprecher einschalten, Gerät auf dem Smartphone auswählen und verbinden. Schon steht die Verbindung.

Neben der standardmäßigen Verbindung verfügt die Megaboom noch über eine Multi-Pairing Funktion, über die sich zwei Endgeräte mit dem Lautsprecher verbinden lassen. Es muss also nicht erst umständlich die Verbindung getrennt und dann wiederhergestellt werden. Einzig zu bemängeln wäre das Fehlen einer Stereo-Pairing Option, sodass man zwei UE Megabooms zu einer Art Stereo-Anlage verbinden kann. In Anbetracht des hohen Preises von fast 300 Euro macht das allerdings wenig Sinn, denn für das gleiche Geld erhält man zwei ordentliche Regallautsprecher. NFC für ein schnelleres Verbinden ist ebenfalls mit an Bord.

Eine Sache ist mir beim Koppeln immer wieder negativ aufgefallen: hat man die Verbindung zur Megaboom einmal hergestellt, verbindet sich der Lautsprecher zukünftig recht aggressiv mit dem zuletzt gekoppelten Gerät. Sobald ich also den Bluetooth-Modus auf dem Smartphone aktiviere, wird eine Verbindung zur Megaboom hergestellt. Will ich also einen anderen Lautsprecher mit dem Zuspieler verbinden, muss ich die UE Megaboom komplett abschalten.

Akkulaufzeit/Reichweite

Die vom Hersteller angegebene Bluetooth-Reichweite von 30 Metern konnte ich im Test bestätigen. Auf freier Strecke hielt die Verbindung zwar noch ein wenig länger (ca. 35 Meter), danach geriet die Verbindung aber ins Stocken. Selbst durch eine Steinwand hindurch blieb die Verbindung nach einigen anfänglichen Aussetzern bestehen.

Die Akkulaufzeit ist ja immer wieder ein heikles Thema. Teilweise sind Herstellerangaben maßlos übertrieben, andere Male geht dem Lautsprecher nach wenigen Minuten bei voller Lautstärke die Puste aus. Umso neugieriger war ich, die Akkulaufzeit der UE Megaboom auszutesten. Laut Hersteller soll die UE Megaboom ganze 20 Stunden Musik abspielen, im Praxistest kam ich bei 1/3 der Maximallautstärke auf einen Wert von 14 Stunden, das weicht dann doch deutlich von der Herstellerangabe ab. Bei maximaler Lautstärke waren es dann nur noch knapp 3,5 Stunden. Das ist zwar nicht wirklich berauschend, aber auch nicht schwach wie etwa beim Beoplay A2, dem bei maximaler Lautstärke bereits nach 1,5 Stunden die Puste ausging.

Fazit

Insgesamt hat die UE Megaboom einige nette Features wie das Einschalten per App, das gleichzeitige Verbinden mit zwei Zuspielern, synchronisierte Lautstärke, eine Weckfunktion etc. im Petto. Auch das robuste Gehäuse mit wasserabweisenden Materialien kann überzeugen, man kann die Box praktisch bei Wind und Wetter mit nach draußen nehmen ohne sich Sorgen machen zu müssen. All das lässt mich aber nicht über den dürftigen Klang hinwegsehen. Den zahlreichen positiven Rezensionen auf diversen Audio-Portalen und Online-Shops kann ich mich nicht anschließen. Dafür lässt der Sound einfach zu viel zu wünschen übrig. Es scheint, als sei die Megaboom für maximale Lautstärke statt maximaler Klangqualität konzipiert worden, was ich sehr schade finde. Lieber verzichte ich auf ein paar Dezibel Lautstärke und erhalte dafür natürlichen, kraftvollen Klang bei allen wichtigen Lautstärkeniveaus. Der Megaboom fehlt im unteren Frequenzbereich einfach der nötige Tiefgang und Musik klingt mit dem betonten Oberbass hohl und kraftlos. Hier hat selbst der Klang der Beats Pill XL noch die Nase vorn, obwohl ich kein großer Fan von deren klanglicher Abstimmung bin. Sie bietet zusätzlich eine USB-Ladefunktion sowie einer deutlich längere Akkulaufzeit bei oberen Lautstärken.

Insbesondere bei leisen Lautstärken macht das Musik hören mit der Megaboom keinen Spaß, hier hätte man die Bässe ein wenig hochregeln sollen. Bei hohen Lautstärken klingt die Megaboom dann einfach wieder zu angestrengt. Für einen Preis von rund 300 Euro hätte ich mir eine deutlich bessere Klangabstimmung erhofft. Deutlich besseren Klang bieten in dieser Größenklasse der Sony X5, der allerdings nicht allzu laut spielt, sowie der Beoplay A2, der allerdings mit House-Kicks und lauten Bässe so seine Probleme hat. Den perfekten großen Bluetooth-Lautsprecher habe ich noch nicht gefunden, aber wahrscheinlich wird neben den portablen Lautsprechern wie JBL Flip 3, Bose SoundLink Mini 2 oder JBL Xtreme auch noch der ein oder andere große Bluetooth Lautsprecher auf den Markt kommen.